Selbstmedikation zur Behandlung von Hämorrhoiden

Die Selbstbehandlung mit Medikamenten bei einem Hämorrhoidalleiden kann zwar vorübergehend Linderung verschaffen, sollte aber – ebenso wie die Behandlung mit Salben und Zäpfchen – kritisch betrachtet werden. Dies gilt insbesondere für Abführmittel, die sehr häufig und sehr langfristig von vielen Betroffenen ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden.

Abführmittel – die schnelle Hilfe?

Viele Betroffene, die beim Toilettengang Schmerzen haben, greifen zu (rezeptfreien) Abführmitteln, die den Stuhl weicher – oft sogar dünnflüssig wie beim Durchfall – machen. So kann der Stuhl den Darmausgang ohne Pressen passieren und der Schließmuskel muss sich beim Stuhlgang nicht mehr weiten. Der Schmerz nimmt ab und das Problem scheint gelöst.

Abführmittel sind jedoch keine Lösung des Problems und sind ebenso wenig zur Behandlung und Selbstmedikation geeignet. Da der Schließmuskel bei zu weichem Stuhl beim Toilettengang nicht ausreichend geweitet wird, verengt dieser sich im Laufe der Zeit. In der Folge kann das Blut aus den – den Schließmuskel umgebenden Gefäßpolstern nicht mehr hinreichend abfließen. Das Blut staut sich in den Gefäßpolstern und die sehr empfindlichen Gefäßwände verlieren auf Dauer ihre Elastizität. Die Gefäße weiten sich und bilden die ersten Ausbuchtungen und Gefäßknoten (=Hämorrhoiden). So können Hämorrhoidalleiden sogar durch die lang andauernde Einnahme von Abführmitteln ausgelöst werden.

Sollte der Stuhl beim Toilettengang (vorübergehend) mal zu hart sein, empfiehlt es sich ca. 10 bis 15 Minuten vor dem Toilettengang ein Glycerinzäpfchen einzuführen. Durch das Glycerin kann der Stuhl besser gleiten. Schmerzen und eventuelle Verletzungen können so vermieden werden. Die Ursache für den zu harten Stuhl sollte jedoch beseitigt bzw. ärztlich abgeklärt werden.

Auch rezeptpflichtige Medikamente sind meist nicht harmlos und nicht ohne Nebenwirkungen. Im Jahr 2002 wurden in Deutschland ca. 3 Millionen Verordnungen durch Ärzte vorgenommen. Es gibt jedoch keine wissenschaftliche Untersuchung, die die langfristige Wirkung der Präparate belegt. Häufig klagen Patienten sogar über eine Reizung oder gar Schädigung der Analhaut.

Ursache der Beschwerden abklären lassen

Es kann jedem Betroffenen nur dringend empfohlen werden, die Beschwerden durch einen Facharzt oder in einer Fachklinik untersuchen und die Ursache eindeutig feststellen zu lassen. Es gibt heute Patienten schonende, minimalinvasive Behandlungsmethoden, die das „Übel an der Wurzel packen“ und nicht nur die Symptome wie Jucken und Brennen therapieren. Die Behandlung erfolgt in den meisten Fällen ambulant; post-operative Schmerzen können bei einigen Methoden (z. B. bei der Submukösen Ligatur der Hämorrhoiden nach Leonid Sverdlov) nahezu vermieden werden. Dadurch ist eine Selbstmedikation nicht zwingend erforderlich und besser durch eine fachkompetente Behandlung vom Arzt zu bevorzugen.

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